Scroll to Discover
back to top

Sprachformen

Personen, die mit einem Hörgerät oder beispielsweise mit einem CI (Cochlea-Implantat) versorgt sind, nutzen oft verschiedene Sprachformen. Sie verwenden neben der Deutschen Gebärdensprache (DGS) auch Lautsprachbegleitende Gebärden (LBG), Lautsprachunterstützende Gebärden (LUG) oder sie kommunizieren, je nach Möglichkeit, in der Lautsprache.

Im Folgenden werden wir die verschiedenen Sprachformen kurz vorstellen.

Lautsprache

Die Lautsprache ist die Sprachform, die fast alle Menschen sprechen (z.B. Deutsch, Englisch, Spanisch, etc.).

 

Unter Lautsprache versteht man in der Sprachwissenschaft generell eine mittels der Artikulationsorgane (Kehlkopf, Mund, Zunge usw.) erzeugte Sprache. Der Sprechtrakt fungiert gleichsam als Sprech- und Sprachinstrument fungiert. Gestik und Mimik werden hier als „non-verbale“ Hilfsmittel der Kommunikation verstanden, sind aber kein Bestandteil der Sprache selbst.

 

Die Lautsprache wird anderen Sprachsystemen gegenübergestellt, beispielsweise der Gebärdensprache, der geschriebenen Sprache oder – im weiteren Sinne– der Sprache von Bildern.

Deutsche Gebärdensprache

Die Deutsche Gebärdensprache (DGS) ist ein eigenständiges und vollwertiges Sprachsystem, welches innerhalb der deutschen Gehörlosengemeinschaft gewachsen ist und das seiner eigenen Grammatik folgt. Wie in der deutschen Lautsprache existieren auch in der DGS Dialekte und Regiolekte (regionale Umgangssprache). Das bedeutet, dass in den verschiedenen Regionen Deutschlands gleiche Begriffe unterschiedlich gebärdet werden können.

 

Während in der deutschen Lautsprache der oral-akustische Kommunikationskanal genutzt wird (der Sprechtrakt dient gleichsam als Sprech- und Sprachinstrument), wird in der Gebärdensprache der ganze Körper als Sprech- und Sprachinstrument genutzt. Besondere Bedeutung haben hierbei die Arme und Hände als Hauptträger der Gebärdenzeichen, im Sinne von Handzeichen, und die Mimik (der Gesichtsausdruck).

 

Der Kontakt mit der hörenden Umwelt ist für Gehörlose und Schwerhörige erschwert bzw. nicht immer möglich, da nur wenige hörende Personen die DGS beherrschen. Diesen sprachlichen Kontakt zwischen hörenden und nicht- oder schlechthörenden Personen können Gebärdensprachdolmetscher herstellen, indem sie in einer solchen Konstellation dolmetschen.

 

Weitere Informationen finden Sie auch auf der Website des Deutschen Gehörlosen Bundes (DGB).

Lautsprachbegleitende Gebärden

Der Begriff Lautsprachbegleitende Gebärden (LBG) lässt bereits erkennen, dass es bei dieser Form der Gebärdenverwendung darum geht, die Lautsprache mit Gebärden zu begleiten.

 

LBG ist keine eigenständige Sprache mit einer eigenen Grammatik, sondern dient lediglich dazu, die gesprochene Sprache mit Hilfe von Gebärden zu visualisieren. Bei dieser Art der Gebärdenverwendung orientiert sich die Grammatik vollständig an der Grammatik der deutschen Lautsprache. Dies bedeutet, dass die Form des gesprochenen Satzes nicht verändert wird. In der „reinen“ Form wird jedes gesprochene Wort in eine Gebärde übersetzt, auch wenn diese Wörter an sich als Gebärden in der Deutschen Gebärdensprache gar nicht vorkommen. Es wird eine Form von künstlichen Gebärden erschaffen, um beispielsweise Artikel zu gebärden. Von zentraler Bedeutung beim LBG ist das Mundbild, da jede Gebärde vom stimmlosen Aussprechen des deutschen Wortes begleitet wird.

Lautsprachunterstützende Gebärden

Die Lautsprachunterstützenden Gebärden (LUG) sind dem Kommunikationssystem vom Lautsprachbegleitenden Gebärden (LBG) sehr ähnlich. Bei einem Vergleich ist aber festzustellen, dass bei den LUG weniger Gebärden ausgeführt werden. Eine „Eins – zu – Eins“ Übersetzung der lautsprachlichen Sätze und somit eine Darstellung der lautsprachlichen Grammatik findet hier nicht statt, sondern es werden hauptsächlich für das Verstehen wichtige Begriffe mit Hilfe von Gebärden visualisiert. Ein großer Anteil der Kommunikation wird von den Lippen des Dolmetschers abgelesen.

Fingeralphabet

Das Fingeralphabet ist eine Kommunikationsform, bei der jeder Buchstabe des Alphabets durch eine einzelne Handform repräsentiert wird. Mit dem Fingeralphabet werden Wörter aus der Lautsprache statt auf Papier in der Luft buchstabiert. Am häufigsten wird das Fingeralphabet verwendet, um beispielsweise Namen, Fachbegriffe oder neue Wörter zu buchstabieren, um damit in den Diskurs einzuführen. Es können nicht nur einzelne Wörter, sondern auch ganze Sätze mit dem Fingeralphabet buchstabiert („gefingert“) werden. In diesem Fall entsprechen die grammatikalischen Richtlinien denen der Lautsprache.